Familienplanung

Dr. Anita Wachter - Frauenärztin in Ternberg

Zuerst beruflicher Erfolg und Karriere, damit verbunden finanzielle Unabhängigkeit und erst dann ein Kind – diese Reihenfolge ist für viele die Idealvorstellung in der Familienplanung. Die Frage nach „dem richtigen Zeitpunkt", die sich vielleicht viele Paare stellen, ist so nicht zu beantworten. Es gibt viele Faktoren, unterschiedliche Wertevorstellungen, individuelle Lebensplanungen und Wünsche die jeder Mensch in sich trägt und versucht für sich zu erfüllen.

Verhütung

Die Möglichkeit, Schwangerschaft und Elternschaft selbst zu bestimmen, ist eine wichtige Errungenschaft der Medizin. Damit eine Schwangerschaft eine gewollte Entscheidung ist und bleibt, sollte der Zeitpunkt richtig gewählt werden. Dies setzt voraus, dass Frauen über ihren Körper bescheid wissen und aus der breiten Palette an Verhütungsmethoden das für sie geeignete Mittel wählen.

Generell gilt: Verhütung betrifft Frauen und Männer gleichermaßen! Frauen sollten die Vermeidung ungewollter Schwangerschaften mit dem Partner besprechen. Die Verantwortung müssen beide gemeinsam tragen.
 

Hormonelle Verhütung:

  • die Pille
    enthält Hormone, die den weiblichen Geschlechtshormonen sehr ähnlich sind. Ihre Wirkungsweise besteht darin, dass die Reifung der Eizelle und damit der monatliche Eisprung verhindert wird. Zusätzlich wird der Schleim im Gebärmutterhalskanal verdickt, wodurch die Spermien nicht in die Gebärmutter eindringen können. Auch der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut wird vermindert. Alle handelsüblichen Pillenpräperate (mehr als 50 verschiedene am Markt) enthalten ähnliche Hormone, allerdings in unterschiedlichen Dosierungen. Pearl-Index 0,1-0,9
  • Verhütungsring/Scheidenring
    ist ein dünner, weicher Kunststoffring mit 54 mm Außendurchmesser und 4 mm Stärke, der die gleichen Hormone enthält wie die Pille (Östrogen und Gestagen). Die Hormone werden über die Scheide aufgenommen und verhinder so den monatlichen Eisprung. Den biegsamen Ring führt die Frau selbst in die Scheide ein (ähnlich wie ein Tampon). Der Ring bleibt für einen Zeitraum von 3 Wochen in der Scheide. Danach wird er selbst entfernt. Es folgt eine Woche Pause, in der die Monatsblutung eintritt. Nach dieser Woche Pause setzt die Frau einen neuen Ring ein. Pearl-Index 0,65
  • Verhütungspflaster
    ist ein 4,5 x 4,5 cm kleines, dünnes beigefarbenes Pflaster. Es enthält die gleichen Hormone wie die Pille (Östrogen und Gestagen). Das Pflaster verhindert den monatlichen Eisprung und damit eine Schwangerschaft. Das Verhütungspflaster wird am ersten Tag der Regel aufgeklebt und nach einer Woche gewechselt. Drei Wochen hintereinander wird das Pflaster geklebt, dann erfolgt eine Woche ohne Pflaster, in der die Blutung eintritt. Pro Zyklus werden insgesamt drei Pflaster angewendet. Nach der Blutung beginnt ein neuer Zyklus und damit ist das Aufkleben des Pflasters notwendig. Pearl-Index 0,9
  • Hormonstäbchen/Implantat
    ist ein 4 cm langes und 2 mm dünnes, weiches Kunststoffstäbchen. Es enthält das Gelbkörperhormon (Gestagen), welches den Eisprung für drei Jahre hemmt. Zusätzlich bewirkt das Hormon eine Veränderung des Schleimes im Muttermund, wodurch es den Samenzellen erschwert wird, in die Gebärmutter zu wandern. Das Implantat wird unter der Haut in den Oberarm eingesetzt, wobei die Stelle lokal betäubt wird. Pearl-Index 0 - 0,08
  • Dreimonatsspritze
    enthält das Gelbkörperhormon (Gestagen) in hoher Dosis und hemmt den Eisprung über einen Zeitraum von drei Monaten. Die Dreimonatsspritze sollte frühestens sechs Wochen nach einer Entbindung verabreicht werden. Pearl-Index 0,3-1,4


Spiralen

  • Goldkupferspirale
    besteht aus einem gewebefreundlichen Kunststoffträger, dessen Form dem Buchstaben T ähnelt, der mit einem feinen Kupferdraht mit Goldkern umwickelt ist. Sie wird vom Arzt mit einer speziellen Einführhülse schnell und unkompliziert in die Gebärmutterhöhle eingebracht, wo sie ständig Kupferionen abgibt, die Spermien in ihrer Beweglichkeit stark einschränken und eine Einnistung in der Eizelle verhindern. In den ersten Tagen nach dem Einsetzen sind leichte Blutungen möglich und die ersten Menstruationsblutungen können stärker sein als gewöhnlich.
    Die Goldkupferspirale ist eine hormonfreie Verhütung und bietet für fünf Jahre zuverlässigen Schutz. Pearl-Index 0,3 - 0,5
  • Kupferspirale
    ist ein weiches, meistens T-förmiges Stäbchen aus Kunststoff, das mit einem Kupferfaden umwickelt ist. Sie wird vom Arzt während der Regelblutung in die Gebärmutter eingelegt und bleibt dann für etwa drei bis fünf Jahre – je nach Modell – in der Gebärmutter liegen.
    Durch das Kupfer, das ständig in kleinsten Mengen abgegeben wird, werden die Samenzellen auf dem Weg in die Eileiter in ihrer Fähigkeit zur Befruchtung gehemmt, da die Beweglichkeit der Spermien als auch des Eileiters eingeschränkt wird. Deshalb sind auch Eileiterschwangerschaften sehr selten.
    Durch die Spirale wird die Gebärmutterschleimhaut verändert und somit die Einnistung einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutter verhindert.
    Pearl-Index 0,9 - 3
  • Hormonspirale
    ist ein elastischer T-förmiger Kunststoffträger, de von einem kleinen Hormonzylinder umgeben ist, von dem ständig eine geringe Menge eines Gestagens in die Gebärmutterhöhle abgegeben wird. Dadurch kommt es zu einer Verdickung des Schleims im Gebärmutterhals. Das Aufsteigen der Spermien wird behindert. Zusätzlich werden die Spermien in ihrer Funktion eingeschränkt und das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut unterdrückt, wodurch die Blutungsstärke verringert wird.
    Die Hormonspirale wird vom Arzt während der Regelblutung in die Gebärmutter eingelegt und kann fünf Jahre dort bleiben.
    Auch für junge Frauen und Frauen, die noch kein Kind geboren haben, ist die Spirale gut geeignet. Pearl-Index 0,16
  • IUB - Intra Uterine Ball - Kupferperlen-Ball
    ist eine Methode zur Schwangerschaftsverhütung, die ganz ohne Hormone auskommt und für 5 Jahre wirksam ist. Er verhütet dort, wo er soll – in der Gebärmutter. Die Verhütungswirkung geht überwiegend vom Kupfer aus. Die keimhemmende Wirkung von Kupfer ist bekannt und verringert zusätzlich das Infektionsrisiko.
    Der Kupferperlen-Ball besteht aus einer speziellen Formgedächtnislegierung, die in der Medizin schon seit langem für Implantate wie zB Stents verwendet wird. Der gebärmutterfreundlich geformte Draht ist mit einer weißen Polymerschicht ummantelt. Darauf aufgefädelt befinden sich 17 Kupferperlen, die für die Verhütung sorgen.
    Der sphärisch geformte IUB liegt frei beweglich in der Gebärmutter, ohne Enden und Kanten. Kaum ist der biegsame Trägerfaden durch das Einführungsröhrchen in die Gebärmutter gerutscht, erinnert er sich an seien 3-dimensionale Vergangenheit und nimmt wieder seine rundliche und geschmeidige Form an. Pearl-Index 0,1 - 0,3
     

Barrieremethoden:

  • Kondom
    ist ein hauchdünner Gummischutz, der vor dem Geschlechtsverkehr über das steife Glied gezogen wird. Das Kondom ist das einzige reversible Verhütungsmittel  für Männer. Der Samenerguss wird aufgefangen und gelangt nicht in die Scheide. Nach dem Orgasmus muss das Glied aus der Scheide gezogen werden, bevor die Erektion nachlässt. Damit das Kondom nicht abrutscht und keine Samenflüssigkeit austritt, muss es beim Herausziehen am Gliedansatz festgehalten werden. Jedes Kondom kann nur einmal benutzt werden. Die meisten Kondome werden aus Latexgummi hergestellt. Für Männer und Frauen mit einer Latexallergie gibt es inzwischen auch Kondome aus Kunststoff. Pearl-Index 2 - 12
  • Diaphragma
    besteht aus einer weichen Gummimembran, die kuppelartig über eine elastische Spirale gespannt ist. Die Größe des Diaphragmas wird für jede Frau angepasst und hat einen Durchmesser von 6 bis 8 Zentimetern. Nachdem eine samenabtötende Creme auf das Diaphragma aufgetragen worden ist, wird es vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt (max. ein bis zwei Stunden davor), dort wirkt es wie eine Trennwand. Es unterteilt die Scheide in zwei Bereiche: einen oberen, in dem sich der Muttermund befindet, und einen unteren, in dem das Glied des Mannes Platz hat, ohne in direkten Kontakt mit dem Muttermund zu kommen. Richtig angepasst und eingesetzt, spürt es weder die Frau noch ihr Partner.
    Der richtige Sitz muss nach dem Einsetzen jedes Mal mit den Fingern nachgeprüft werden, indem der Muttermund durch das Diaphragma hindurch getastet wird. Das Diaphragma muss immer mit einer samenabtötenden Creme benutzt werden. So können Samenzellen auch dann noch beunfruchtungsfähig gemacht werden, wenn es ihnen gelingt, bis zum Diaphragmarand hinaufzuwandern. Bei wiederholtem Verkehr muss nochmals eine zusätzliche Portion Creme mit dem Einführstab in die Scheide eingeführt werden. Nach dem letzten Verkehr muss das Diaphragma noch mindestens 8 bis max. 24 Stunden in der Scheide bleiben. Pearl-Index 4 - 10
  • Zäpfchen und Co
    Die sogenannten chemischen Verhütungsmittel gibt es in Form von Zäpfchen, Tabletten oder Cremen. Alle enthalten Stoffe (Spermizide genannt), die die Samenzellen abtöten oder zumindest deren Fortbewegung hemmen. Sie enthalten entweder den Wirkstoff Nonoxinol, Zitronensäure oder Milchsäure. Chem. Verhütungsmittel werden vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt. Bei Zäpfchen oder Tabletten dauert es mindestens zehn Minuten, bis sie durch die Körperwärme geschmolzen und voll wirksam sind. Die samenabtötenden Wirkstoffe reichen nur für einen Samenerguss aus.
     

Fruchtbarkeitswahrnehmung:

  • Temperaturmethode
    Jeden Morgen misst die Frau ihre Körpertemperatur (Basaltemperatur) und trägt den Wert auf einem Kurvenblatt ein. Die Temperatur muss jeweils vor dem Aufstehen und immer zur gleichen Uhrzeit gemessen werden. Aus dem Verlauf der Kurve kann sie im Nachhinein mit großer Wahrscheinlichkeit ihren Eisprung ersehen. Die Tage nach dem Eisprung bis zur nächsten Regelblutung ist die Frau unfruchtbar. Pearl-Index 3,8 - 20
  • Schleimmethode
    Die Beschaffenheit des Muttermundschleimes verändert sich im Laufe des Zyklus: Der Methoden der NFP Schleimpfropf im Gebärmutterkanal wird in den Tagen um den Eisprung dünnflüssiger und durchsichtig. Es entsteht eine zunehmend feuchte Empfindung am Scheidenausgang, die den nahenden Eisprung ankündigt. Durch die tägliche Untersuchung des Schleimes (das Ergebnis wird ebenfalls auf ein Kurvenblatt eingetragen) kann die Frau ihre fruchtbaren Tage bestimmen.
     

Sterilisation

  • Sterilisation der Frau
    Bei diesem operativen Eingriff werden, meist in Vollnarkose, die beiden Eileiter der Frau durchtrennt, bzw. manchmal auch mit einem Kunststoff- oder Metallclip verschlossen. Der Klinikaufenthalt dauert - je nach Operationsmethode - durchschnittlich ein bis zwei Tage. Pearl-Index 0,2 - 0,5
  • Sterilisation (Vasektomie) des Mannes
    Bei diesem kleinen operativen Eingriff werden die beiden direkt unter der Haut des Hodensacks liegenden Samenleiter durchtrennt. Danach findet der Samenerguss (Ejakulat) unverändert statt, es sind jedoch keine Samenzellen mehr enthalten. (Beim Samenerguss sind nur 2 bis 5% des Volumens Samenzellen. Der Rest ist Sekret von der Prostata und anderen Drüsen). Die Vasektomie wird von einer Urologin bzw. Urologen ambulant im Krankenhaus oder in einer urologischen Praxis unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Die sexuelle Erlebnisfähigkeit verändert sich nicht. Es kommt weiterhin zur Erektion (Versteifung des Gliedes) und zum Orgasmus mit Erguss. Es werden weiterhin Samenzellen produziert, die aber im Hoden wieder resorbiert werden. Dadurch ist eine Befruchtung unmöglich.
    Pearl-Index: 0,1 - 0,2
     

Unzuverlässige Methoden:

  • Kalendermethode
    Die Frau muss ein Jahr land die Länge ihres Zyklus (von einer Monatsblutung zur nächsten) aufschreiben. Anhand dieser über das Jahr beobachteten Zyklen wird ein Durchschnittswert  für die wahrscheinlich fruchtbaren Tage ermittelt.
    Als Verhütungsmethode ist die Kalendermethode (Knaus-Ogino) unsicher und nicht zu empfehlen. Pearl-Index 12 - 15
  • Coitus Interruptus
    Der Mann zieht sein Glied vor dem Samenerguss aus der Scheide. Das "Aufpassen" ist sehr unsicher und nicht zu empfehlen, da schon vor dem Samenerguss Samenzellen in die Scheide gelangen können. Außerdem gelingt es dem Mann manchmal nicht, sein Glied rechtzeitig aus der Scheide zu ziehen. Die Unterbrechung des sexuellen Verkehrs und die Angst, den "richtigen" Augenblick zu verpassen, sind für Frau und Mann häufig unbefriedigend. Pearl-Index 27
  • Stillen
    Beim Stillen wird das Hormon Prolaktin gebildet. Dieses Hormon reduziert die Häufigkeit von Eisprüngen. Bei regelmäßigem Stillen (alle vier Stunden) und beim Fehlen der Regelblutung besteht ein gewisser Schutz vor Schwangerschaft. Bei Stillpausen, Zufütterung und Auftreten der Regelblutung ist diese Sicherheit aber nicht mehr gewährleistet. Die Methode ist auf keinen Fall zu empfehlen.

Notfallverhütung

  • die Pille danach
    Es gibt in Österreich drei Produkte am Markt. Bei zwei Präparaten der Pille- danach handelt es sich um reine Gestagen-Präparate mit dem Wirkstoff Levornorgestrel. Ein neues Präparat hat eine etwas längere Wirksamkeit und basiert auf dem Wirkstoff Ulipristalacetat. Die Pille-danach verschiebt bzw. verzögert den Eisprung, wenn sie rechtzeitig eingenommen wird, d.h. bevor dieser stattgefunden hat. Die Frau nimmt nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr eine Tablette so früh wie möglich ein, am besten innerhalb von zwölf Stunden, aber spätestens 72 Stunden (drei Tage) danach. Eine Ausnahme bietet das Ulipristalacetat-Präparat, welches bis 120 Stunden (fünf Tage) ohne Wirkungsverlust wirkt. Nach Einnahme der Tablette kommt die nächste Blutung in etwa zum erwarteten Zeitpunkt. Selten kommt es zu Zyklusverschiebungen (+/– drei Tage). Sofern die Blutung nicht wie eine normale Regelblutung eintritt bzw. die Blutung länger als fünf Tage ausbleibt, ist es sinn- voll, einen Schwangerschaftstest zu machen. Die Pille-danach wirkt nur nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr. D.h. bis zum Ende des Zyklus muss allenfalls eine zusätzliche Verhütungsmethode angewendet werden. Die Pille-danach ist nicht so sicher, wie eine regelmäßige Verhütung und deshalb kein Ersatz dafür.
  • Spirale danach
    Bei der Spirale-danach handelt es sich um eine Kupferspirale, die nach einem ungeschützten Verkehr die Einnistung der möglicherweise befruchteten Eizelle verhindert. (Die Hormonspirale kann nicht zur Notfallverhütung angewendet werden.) Wenn die Monatsblutung nach dem Einsetzen ausbleibt, ist ein Besuch bei der Gynäkologin bzw. beim Gynäkologen dringend anzuraten.?
     

Wirksamkeit

Der Pearl-Index ist als einheitliches Maß für die Sicherheit der Methoden geschaffen worden. Ausgegangen wird von einer Gruppe von 100 sexuell aktiven Frauen. Mit dem Pearl-Index wird die Zahl der Frauen angegeben, die trotz Anwendung einer bestimmten Verhütungsmethode nach Ablauf eines Jahres schwanger werden.

 

Zurück zur Leistungsübersicht